"Adler und Falke:
Wer ehemals den Adler im Wappen hatte, wollte damit sagen, daß er sich um ein hohes Denken, um einen hohen Geistesflug bemühen wollte. Vielleicht hatte auch schon das eine oder andere Mitglied der Sippe sich in dieser Weise ausgezeichnet. Auf alle Fälle war es ein edles und anspruchvolles Symbol. Ist doch der Adler der am höchsten fliegende unserer Vögel. Und wer ihn beobachtet, wie er in die Höhe des Himmels emporsteigt, dort in königlicher Ruhe schwebt und wie der Blitz herabstößt auf seine mit schärfsten Augen wahrgenommene Beute, vermag leicht das Bild zu fassen. So soll der Gedanke des Menschen höchste Höhen des Geistes erreichen, dort in besinnlicher Ruhe durch eigene Kraft sich haltend verweilen und in die Sinneswelt herabstoßen und die Tatsachen ergreifen. Unter den europäischen Völkern haben die Deutschen den Adler im Wappen, fällt ihnen doch in besonderer Weise zu, das Denken auszubilden. Und viele Schilder und Bilder erzählen von diesem hochgesteckten Ziel.
Der Falke steigt nicht so hoch, aber er ist dem Adler als Sinnbild verwandt. In der keltischen Drachenmythe, die uns die Bewußtseinsentwicklung des europäischen Menschen zeigt, sprechen diese beiden Bilder am deutlichsten und sind als Urbilder am reinsten. Dort sagt der Falke, dessen Gunst der erste Fischersohn gewonnen hat: 'Wenn du in schrecklicher Not bist, erinnere dich meiner.' Der erste Fischersohn verkörpert den Empfindungsseelenmenschen, der noch vor der Zeitenwende zur Ausbildung gekommen ist. Im einzelnen Menschen, der ja diese Entwicklung wiederholt, ist es der noch im Fühlen lebende Mensch. Dem drohen das 'Wasser', 'die Meerfrau' und die Hexe. Das heißt, er ist in der Gefahr, hinabgezogen zu werden in die grundlose wogende Welt seines Innern, aus der Träume und Eingebung aufsteigen können, wo aber nicht die Sicherheit des klaren, wachen Denkens herrscht, die bei fortschreitender Entwicklung unbedingt dazukommen muß. Wenn der Mensch wach und tatkräftig auf dem 'sicheren Boden' der Tatsachen leben will - bildlich gesprochen 'am Lande'-, braucht er den Falken. Er muß denkend aufsteigen und herabstoßen können, wie es die Situation erfordert. Diese Entwicklung strebte der erste Fischersohn an. 'Er dachte an den Falken und er war ein Falke' und fliegt auf die Spitze eines Baumes, um sich vor der Hexe zu retten. Sie versinnbildlicht das uralte, noch magisch wirkende, nun aber atavistisch gewordene Seelensein ( Siehe das Neuheidentum in der 'esoterischen' Szene, geeignetfür einen 'fraktur'-europäischen Neu-Sozio-Faschismus?, Anm. Paranoia-Paraneua-Kampfhund!), dessen der Mensch Herr werden muß. Er kannes, wenn er sein Nervensystem (den inneren Baum) wach und denkend erlebt, und zwar in der Hauptesregion (der Falke auf der Spitze des Baumes), wenn er sich also 'aufbäumt' gegen alte, nicht mehr zeitgemäße Mächte. Noch deutlicher wird das Bild dieses ersten Weges, als später das Weib des Fischersohnes (die Seele) nach Speise verlangt, die am Wasser wächst (Algen), und das Ich ihr selbstvergessen folgt. Die Meerfrau holt ihn doch noch hinab. Da muß sein Weib allen Schmuck hingeben und am Ufer die Harfe spielen (Harmonien bilden), (Mozart spielen!, Anm. Paraneua-Bioeule und Johanniskraut samt Odermenning!), um ihn zu befreien. Und wie heißt es: als die Meerfrau ihn ganzen Leibes zeigt: und 'er' dachte an den Falken und er war ein Falke', und er schoß zur Küste, an 'Land', und war frei. Die Flugkraft des Gedankens rettet das Ich vor dem Versinken in unkontrollierbare Tiefen und vor dem Untergang-so etwa würden wir heutigen Menschen diesen Vorgang nennen.
Der dritte Fischersohn, der uns den dritten Weg zeigt, stellt in der Mythe den Menschen des Bewußtseinsseelenzeitalters dar, denjenigen, der die Kraft des Willens voll auszubilden hat. Diese Aufgabe obliegt dem modernen Menschen. Im einzelnen ist diese Kraft als Wunsch, Begierde und Triebwille längst vorhanden. Aber als selbständiger, freier, geistsuchender Wille braucht sie noch ihre volle Entfaltung, und das schildert der dritte Weg. Der dritte Fischersohn gewinnt sich folgerichtig den Adler, ist doch die Möglichkeit des Denkens fortgeschritten in der Menschheit und im einzelnen Menschen. Der Adler trägt ihn zur Königstochter des goldenen Schlosses, die er aus dem steinernen Schlosse, in das sie verzaubert ist, erlösen muß. An den mineralischen Leib ist die königliche, die höhere Seele gebunden, das ist ihre Verzauberung.Sie gehört aber der Sphäre der Weisheit, dem goldenen Reiche an, Weisheit ist ihr Wesen und ihre Heimat. Sie wieder leibfrei zu machen, daß sie nicht mehr dem Körper mit seinen Zufälligkeiten fortwährend unterworfen ist, sondern sich selber darleben kann und wir uns in ihre Welt erheben können, das ist die Aufgabe des im echten Sinne wollenden Menschen. Er muß die Weisheit wollend erstreben. Dazu verhilft ihm der Adler. Deutlich ist in den drei Wegen die Entwicklung des Denkens in der Menschheit und im einzelnen Menschen gezeigt. Entwicklung heißt, bildlich gesprochen, den Falken zu finden und sich vom Falken zum Adler zu erheben." Friedel Lenz, Das Tier Im Märchen, Märchen als Künder geistiger Wahrheiten: Adler und Falke!

   

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