Dies ist G o o g l e s Cache von http://www.anthros-online.de/okkultismus/revolution_und_freimaurer.htm.
Das Archiv von G o o g l e enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.Klicken Sie hier, um zur aktuellen Seite ohne Hervorhebungen zu gelangen.


Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.
Diese Suchbegriffe wurden hervorgehoben:  lloyd  judentum  jugoslawien 

Die französischen Freimaurer

aus: François Fejtö: Réquiem pour un empire défunt. Histoire de la destruction de l'Autriche-Hongrie. Lieu Commun, Paris 1988, pp. 337-345:

»Auch wenn die französische Linke, die Kleinbürger und Arbeiter, die Radikalen und Republikaner sich mit nahezu religiösem Eifer mit der  revolutionären Tradition verbunden fühlte, so kann man doch sagen - um auf das klassische leninistische Schema von der Arbeiterklasse und ihrer Avantgarde zurückzugreifen - daß diese Avantgarde die Freimaurerei war: eine elitäre Organisation, gut durchstrukturiert, besser organisiert und zentralisiert als die politischen Parteien. Sie spielte eine Vorreiterrolle bei der Transformation des Krieges der Mächte in einen Krieg der Ideologien, die auf die Republikanisierung Europas abzielte. In einem Europa, das als Gemeinschaft von Nationen - eine wesentlich maurerische Idee - reorganisiert werden sollte, würden die beiden Hydrenköpfe des Klerikalismus und des militaristischen Monarchismus mit einem Schlag abgeschlagen sein. Wir haben weiter oben bemerkt, daß die französische Kriegspropaganda sich als auf eine wesentliche Rechtfertigung des Krieges auf die republikanische, jakobinische Ideologie berief, die das Erbe der französischen Revolution darstellte.

Im Moment des Kriegsausbruchs waren der Präsident René Viviani und sein Aussenminister Théophile Delcassé Maurer. In der Regierung Briand  (29 Oktober 1915-Dezember 1916), hatte Viviani das Portefeuille der Justiz inne und Marcel Sembat, ebenfalls Maurer, die öffentlichen Arbeiten. In der Regierung Ribot (20 März-12 September 1917), verblieb Viviani das Justizministerium, und der Innenminister, Théodore Steeg, war ebenso wie der Versorgungsminister, Maurice Viollette, Maurer; Paul Painlevé (12 September 1916-November 1917) hatte als Finanzminister einen Maurer, Lucien Klotz. Im wichtigen Kriegskomitee waren die Maurer vertreten durch Léon Bourgeois, Paul Doumer, Franklin Bouillon und Lucien Klotz. Der Aussenminister unter Clémenceau (16 November 1917-1920), Stephen Pichon, war Maurer.

Gérard Gayot stellt, im Gegensatz zu Augustin Cochin und François Furet, die Freimaurer des 18. Jahrhunderts als "in ihren geheimen Laboratorien unschuldig an der Vorbereitung der egalitären und demokratischen Waffenlager" vor, und mehr noch, als "gewohnheitsmäßige Kompromissler und Freunde der Ordnung." Nach Gayot hat die revolutionäre Bewegung die Freimaurer überrascht; der große Zusammenschluß zwischen "dem Bürger und dem Bruder ... war das große Werk der Freimaurer des 18. Jahrhunderts und fand seine Vollendung in jedem Fall nach 1870." Das Konkordat Napoleons, dem die Freimaurerei  feindlich gegenüberstand, formte aus ihr eine den Rationalismus, das Freidenkertum, den wissenschaftlichen Positivismus und den Republikanismus fördernde Struktur, die anfangs gemäßigt, später radikal war. Als Garibaldi, ein altes Mitglied der Pariser Loge "Die Freunde des Vaterlandes", die Versammlung der Freidenker von Neapel gründete, um gegen das vatikanische Konzil zu opponieren, gehörten Victor Hugo, Edgar Quinet, Jules Michelet und bemerkenswerterweise  Émile Littré zu dieser Versammlung. Die Rolle der Freimaurerei beim Sieg der Republik ist um so wichtiger, als die "republikanische Partei" lediglich auf dem Papier existierte; die Maurerei war die einzige hierarchisierte und strukturierte Organisation. Die Männer, die am 4. September die Republik der nationalen Verteidigung im Hôtel de Ville ausriefen, waren Maurer und in der provisorischen Regierung um den katholischen General Louis Trochu waren die Freimaurer stark vertreten durch Eugène Pelletan, Louis Garnier-Pagès, Henri Rochefort, Adolphe Crémieux, Léon Gambetta, Jules Simon, Ernest Picard und Emmanuel Arago.
...

Der Wahlsieg der Republikaner im Jahr 1877 war weitgehend ein Werk der Maurerei.  Zwischen 1871 und 1877 erschien sie als der Kitt der republikanischen Partei. Die Freimaurerei erschien als demokratische, laizistische Kraft, die stark antiklerikal ausgerichtet war und wurde gegen 1910 zur "republikanischen Kirche". In diesem Zeitraum gehörten viele Abgeordnete, Minister, Präsidenten des Parlaments und Staatschefs der Freimaurerei an: Léon Gambetta, Henri Brisson, Charles Floquet, Jules Méline, Léon Bourgeois, Jules Ferry, Maurice Rouvier, Charles Dupuy, Émile Combes, Paul Doumer, Gaston Doumergue, Alexandre Millerand, René Viviani, Camille Chautemps, usw., um nur die bekanntesten zu erwähnen.

Die Freimaurer lenkten die Presse, kontrollierten die Sektionen der Liga für die Menschenrechte und für den Unterricht (gegründet im Jahr 1865 durch den Maurer Macé), ebenso wie die Gesellschaften der Freidenker. (Aber das Beispiel Clémenceaus zeigt, daß die Zugehörigkeit zur Maurerei nur ein Element unter anderen in der republikanischen Meinungsvielfalt war). Gegen Ende des Jahrhunderts spielte die Maurerei eine entscheidende Rolle bei der Bildung der radikalen Partei und seit der Affäre Dreyfus (1898) vereinte sie mit ihrer Mobilisierungskraft Republikaner, "Zentren der Reflexion", die der radikalen Partei politische Inhalte lieferten und das Arsenal der theoretischen Argumente, um sich zu rechtfertigen.

Unter der 3. Republik begünstigte die Zugehörigkeit zur Maurerei den Zugang zu Laufbahnen in der Administration und das zügige Vorankommen. Dies erklärt, wenigstens teilweise, das Anwachsen der Brüderschaft: Zehntausend Maurer am Ende des 2. Empire, 32.000 im Jahr 1908, 50.000 bis 60.000 im Jahr 1914. Gegen 1910 wurde die radikale Partei als der "weltliche Arm" der Maurerei betrachtet. 41 von Hundert ihrer Mitglieder waren Maurer. Aber von diesem Zeitpunkt an begann der Zufluss von Sozialisten, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs zur Mehrheit wurden sowie der von zahlreichen jüdischen Intellektuellen, die sich von ihrem Judentum verabschiedet hatten und in der Maurerei eine spirituelle Ersatz-Gemeinschaft fanden, den Charakter der Maurerei etwas zu verändern, ohne aber deren Wesen grundlegend zu entstellen.

All dies geschah, während die Maurer, unter welchen die Pazifisten eine nicht unbeträchtliche Kraft darstellten, im Gegensatz zu den Sozialisten, durch den Krieg außerordentlich beunruhigt und gespalten wurden.

1891 hatten sie sich geweigert, am Friedenskongress teilzunehmen, der in Rom von den italienischen Maurern organisiert worden war, um dadurch gegen die Erneuerung der Triple-Entente durch Italien zu protestieren (aber sie reagierten nicht auf die Ankündigung der französisch-russischen Allianz).

Der französische Maurerkongress im Jahr 1900 hatte das Prinzip des Krieges als solches verurteilt und die Einrichtung einer Schiedsgerichtsbarkeit nahegelegt. 1902 war ein internationales Büro für maurerische Beziehungen begründet worden, deren pazifistische Zielsetzung sich offen zur Schau stellte. 1899 war in einer Konferenz für den Frieden in La Haye, bei der der Maurer Léon Bourgeois den Vorsitz führte, eine Entschließung angenommen worden, die die französisch-deutsche Annäherung befürwortete. 1914 ging die französische Freimaurerei in ihrer großen Mehrheit zum Patriotismus über. Die Goethe-Loge wurde geschlossen. Es ist wahr, daß die Idee der nationalen Verteidigung bei den Freimaurern stets von Friedensperspektiven begleitet war, die einen internationalistischen Klang hatten und vom Traum eines Völkerbundes Zeugnis ablegte.

Das Ereignis, das sie, vom Beginn des Krieges an, in Richtung der heiligen Allianz mit den nationalistischen Patrioten stieß, war der Bericht, der die Großloge am 6. Juni 1914 erreichte und einen wahren Theaterdonner auslöste. An diesem Tag hatte der Rat der Großloge von Frankreich nämlich erfahren, daß in Berlin die größten Logen auf Verlangen der Großloge Preussen sich anschickten, jede Propaganda zugunsten des Friedens einzustellen und alle Beziehungen zu alliierten Logen abzubrechen. Dies war das plötzliche Ende des masonischen Internationalismus, der ersten sozialistischen Internationalen. Von da an wurde die Verteidigung des Vaterlandes gegen den kriegerischen Imperialismus das Losungswort der maurerischen Propaganda, in enger Zusammenarbeit mit der Propaganda der Regierung, in der viele der ihren saßen.

Eine solche patriotische Begeisterung hatten übrigens seinen Vorläufer in einer elsass-lothringischen Loge, die seit etwa zehn Jahren Teil der maurerischen Organisation war. "Freimaurer sein" hatte im Jahr 1882 ein Rat des Grand-Orient erklärt, "heißt Republikaner und Patriot sein." Die französischen Logen hatten nach 1870 ihre deutschen Mitglieder ausgeschlossen und die deutschen Logen unter französischer Jurisdiktion geschlossen. Erst im Jahr 1885, hatten sie von neuem erlaubt, deutsche Mitglieder aufzunehmen. Die Maurer haben aktiv die Alliance francaise unterstützt, die im Jahr 1884 begründet worden war, um die Verbreitung der französischen Kultur zu fördern, und sie haben selbst die Liga der Patrioten unterstützt, die 1881 durch Déroulède begründet worden war. Briand, ein Mann des Friedens, ohne Maurer zu sein, drückte seine Irritation vor den Exzessen des maurerischen, antiklerikalen und antigermanischen [anti-alemannischen, l Allemand] Eiferertums aus.


Es darf auch nicht vergessen werden, daß der Wille, den Krieg bis zu Ende zu führen, bis zum Endsieg, ebensowenig ein Ergebnis des maurerischen Wirkens war, wie die französische Revolution, deren Vorbereitung ihnen durch die Konterrevolutionäre angelastet worden war, zuletzt durch das Vichyregime. Clémenceau war ebensowenig Maurer wie Robespierre. Im Verlauf der Kriegsjahre versuchte die Gegenpartei, die katholische Partei, die Freimaurer als Feinde des Vaterlandes hinzustellen, als Partisanen eines Friedens mit Deutschland um jeden Preis.

In der Tat zogen die Freimaurer als eine geheime Organisation mitten in den öffentlichen Organisationen wie der Liga für die Menschenrechte, der Liga für den Unterricht, des Freidenkerbundes, die verschiedenen Meinungsströmungen in der republikanischen Öffentlichkeit in Rechnung: sie waren ausgerüstet, um als Laboratorium für manchmal kontroverse Ideen zu dienen. Rückhaltlose Anhänger des Nationalitätenprinzips, überarbeiteten sie zur selben Zeit Entwürfe für die Gemeinschaft der Nationen, den Völkerbund. Wie die Mehrzahl der Sozialisten, wünschten sie einen Frieden ohne Annexionen, aber ihre italienischen Freunde veranlaßten sie, sich in annexionistische Eroberungsgelüste zu kleiden, ihre serbischen Mitglieder gewannen sie darüber hinaus für die Idee eines Groß-Serbien, dann für jene von Jugoslawien, und ihre Brüder Masaryk und Benci überzeugten sie mit Leichtigkeit, daß, indem sie den Pfeiler des Vatikan und des Monarchismus, nämlich Österreich-Ungarn, seiner Bestandteile beraubten, sie sich zu der geheiligten Mission, die dem Volk der Revolution von der Vorsehung zugedacht sei, bekannten und den jubelnden Morgen vorbereiteten.

So sah sich der große maurerische Apparat der Verfügungsmacht der Propaganda ausgesetzt, die von den Komitees der tschechoslowakischen, jugoslawischen usw. Emigranten ausging. Der internationale Freimaurerkongreß der alliierten und neutralen Länder, der in Paris vom 28 bis 30 Juni 1917 zusammenkam, nahm in seine Resolutionen die ganze Palette der italienischen, tschechoslowakischen und jugoslawischen Gebietsansprüche auf, die auf die Zerstörung der Monarchie abzielten und den alliierten und neutralen Regierungen empfohlen wurden.

André Lebey, Berichterstatter des Kongresses, stellte fest: "Die beiden Reiche (wohlgemerkt, es ist von Österreich-Ungarn die Rede) "fügen die Nationen durch die Kraft unnatürlicher Methoden zusammen". "Diese Reiche", rief er mit Eifer aus, "halten die andauernde Negation der Menschen- und der Völkerrechte aufrecht." Ohne ihre unwiderbringliche Bezwingung seien weder die Menschenrechte noch die Rechte der Völker existent. "Allein ein ernsthafter Sieg, sicher und vollständig, könnte das letzte Hindernis beseitigen, das sich einem Völkerbund entgegenstellt." Um hinzuzufügen: "Wenn es einen heiligen Krieg gibt, dann diesen hier und wir müssen es unermüdlich wiederholen, ohne nachzulassen. ... Neu gezeugt, gereinigt, zum Heil geführt, werden uns die Völker Zentraleuropas kennen, die Organisation, die in einem befreiten Vaterland akzeptabel, wohltätig und heilsam ist ..."

Danach zählte Lebey die vier Prinzipien auf, denen die Freimaurerei all ihre Kräfte widmen solle:

1. Rückkehr von Elsass-Lothringen an Frankreich
2. Wiederherstellung Polens durch die Wiedervereinigung seine drei Fragmente
3, Unabhängigkeit von Böhmen
4. Im Prinzip, "die Befreiung und vereinigung aller heute unterdrückten Nationalitäten durch die politische und administrative Organisation der Gesamtheit jener Nationen in Staaten, zu denen sich die genannten Nationen durch ein Plebiszit bekennen." (Wie Elsass-Lothringen zu Frankreich, so sollte das Trentino und Triest zu Italien zurückkehren dürfen)

Was Böhmen betreffe, fügt der Berichterstatter hinzu, "wo nichts die Tiefe des nationalen Gefühls zu erschüttern vermochte ... so zeigt es Europa, daß es eine Aufgabe, eine Aufgabe voll von zukünftigen Rekompensationen ist, ihm die Pforten der Unabhängigkeit zu öffnen. Prag wird im neuen Europa ein unvergleichliches Zentrum des Ausgleichs sein."

Insgesamt gingen die durch den Kongress angenommenen Beschlüsse in die Richtung des von Lebey Dargestellten, indem sie insbesondere hervorhoben, daß "die Einheit, die Autonomie und die Unabhängigkeit jeder Nation unverletzlich" seien.


Die italienische Delegation, deren Zusatztext sich von Ideen Mazzinis inspirieren ließ, wünschte, daß die Beschlüsse schlicht den "vollständigen Triumph des Nationalitätenprinzips" zur Geltung zu bringen vermöchten, und fügte Armenien zu der Liste der zu befreienden Völker hinzu.

Einige Monate später bekundete der Kongress der Liga für die Menschenrechte, daß "Frieden zu schließen, bevor die Möglichkeit bestehe, diesen auf der definierten Basis (Rückgabe von Elsass-Lothringen, von Belgien und Serbien, Unabhängigkeit der Tschechoslowakei usw.) aufzubauen, eine Selbstpreisgabe des Rechtes an die Macht sei."

Kann man es den französischen Freimaurern verdenken, die durch die integristischen Katholiken, ebenso wie durch Barrès und die Action francaise  unablässig bestürmt wurden, daß sie mit Nachdruck zum Gegenangriff übergingen, überall wo sie konnten, nachdem sie überzeugt waren, daß die Mehrzahl des Volkes für ihre Ideen und ihre Argumente viel empfänglicher war, als für diejenigen seiner Priester? Wenn es nicht Philippe Berthelot, der ihnen nahegestanden zu haben scheint, war, der, veranlaßt durch sein väterliches Erbe, einen seiner Kollaborateure, Bréal, nach Spanien schickte, so beklagte sich der König gegenüber Poincaré über die Unannehmlichkeiten, die er mit den "revolutionären Mineuren" hatte. Die Katholiken, zu Recht oder zu Unrecht, hingen vollständig der These vom subversiven maurerischen Komplott an, während die Maurer, ihrerseits überall die "schwarze Hand" der Katholiken sahen.

Es muß auch festgehalten werden, daß die Maurer der nationalen Sache Frankreichs bedeutende Dienste leisteten, ebenso wie derjenigen der Alliierten, wenn sie ihren Einfluss auf die italienischen Brüder geltend machten, um die Halbinsel aus der Triple-Allianz herauszubrechen, und ihnen "die Einheit der lateinischen Völker gegen die Feinde der Humanität: Bismarck, Tisza und Crispi" predigten.

Ebenso übten sie Druck auf die Logen aus, die, in Österreich verboten, sich in Ungarn frei betätigen konnten - die ihrerseits dem Einfluss der englischen Maurerei unterlagen, der moderater und, sagen wir, bürgerlicher war - , um sie davon zu überzeugen, daß ihr Land sich von der Triple-Allianz lösen solle, d.h. von der Allianz mit Deutschland.

Indessen fiel, wir wir bereits bemerkten, der revolutionäre Patriotismus der maurerischen Ideologie mit dem humanitären und internationalistischen Erbe der Maurer des 18. Jahrhunderts zusammen, was ganz und gar nicht dem Geschmack der Ultras entsprach, die sich von ihren neuen Alliierten gewünscht hätten, daß sie eine noch klarer nationalistische Position bezogen hätten.

Wahrscheinlich jedoch mit bitterer Enttäuschung wandten sich die Maurer in ihrem patriotischen Eifer von ihrem immerwährenden Idol, Romain Rolland abwandten, - der von Ausserhalb den Krieg heftig verdammte - um sich mit alten pazifistischen Freunden zu vereinigen, die Kriegsverfechter geworden waren.

Übrig bleibt zu erwähnen, daß die Freimaurer in ihrer großen Mehrzahl ab 1914, fast bedingungslos, die Strategie Clémenceaus, bis zum bitteren Ende Krieg zu führen, unterstützten, und ihr Bestes dafür gaben, die Versuchungen eines Kompromissfriedens oder eines Separatfriedens zu bezwingen, weil sie die Sache so betrachteten, wie ihr Sprachrohr André Lebey es ausdrückte, daß Österreich keineswegs meine, ein dauerhafter Frieden könne sich auf das Recht der Völker gründen, über sich selbst zu bestimmen: "Dies überrascht uns nicht, "sagt er, "denn kein Staat hat mit den Vorlieben und Bedürfnissen der Nationen mehr tabula rasa gemacht, als das Donauimperium. Die Politik von Metternich herrscht dort immer noch vor  ..."

Lebey bemerkte auch, daß "obgleich die Freimaurerei im Prinzip gegen alle Kriege ist, sie doch die sublimen Opfer der Völker überaus bewundern muß und ihnen das Recht bringen muß, alle unterdrückten Nationalitäten zu rekonstituieren."

Ebenso, zur gleichen Zeit, in völliger Übereinstimmung mit dem nationalen Konsens für den Krieg, blieb eine große Zahl der Mitglieder der Liga für die Menschenrechte, die eine Emanation der Freimaurerei war, der Idee eines reinen Defensivkrieges und dem Frieden ohne Annexionen verbunden. So protestierte am 10 April 1915 die Liga gegen einen Artikel von Barrès, der für Frankreich die "Rheingrenze mit Brückenköpfen auf dem rechten Ufer" gefordert hatte. Die Liga wies darauf hin, daß die offizielle Zensur die Verbreitung ultranationalistischer Thesen favorisiere, während sie moderate Thesen zensiere. Um jeden Zweifel auszuräumen, veröffentlichte der ehemalige Abgeordnete und Chef des Kabinetts des Sozialisten Guesde eine Broschüre mit dem Titel: "Der Friede, den wir wollen."

Je heftiger der Krieg wurde und je länger er andauerte, vertieften sich auch die Gräben zwischen den Partisanen des Friedens ohne Annexionen (der einen Frieden des Verzichts, des Kompromisses voraussetzte) und jenen, die jeglichen Frieden auf der Basis des status quo, wie ihn die Deutschen anboten, zurückwiesen.

Gleichzeitig verlangten die Freimaurer bei einem Punkt, bezüglich Österreich-Ungarns, Veränderungen, die Annexionen einschlossen, weitgehend zum Vorteil der kleinen Verbündeten der Entente (Serbien, Rumänien, Italien) und die Unabhängigkeit von Böhmen. Viele unter ihnen sagten: Ist es unser Fehler, wenn Österreich-Ungarn durch Wilson, Lloyd George oder Clemenceau beschädigt worden ist? Doch das Dementi war zögerlich, und wenig überzeugend. Es hat seine Berechtigung, wenn Bardoux in Le Temps am 30 April 18938 schrieb: daß "der Protestantismus und die Freimaurerei Verbündete seien", um Österreich zu zerstören, "das in diesen Milieus als die Zitadelle des klerikalen und rückwärtsgewandten Geistes betrachtet wurde ..." Dies ist nicht zu bezweifeln. Aber von da bis zu der Erklärung, daß das Reich hemmungslos durch den Willen einiger Staatsmänner, durch unterirdische Aktionen, die von der Freimaurerei organisiert wurden, zerstört worden sei, muß ein "Pass überschritten werden".

Diesen Schritt werden wir nicht machen. Aber es kann die Tatsache nicht geleugnet werden, daß die Zerstörung von Österreich mit Ideen von Maurern übereinstimmte, sowohl in Frankreich als auch in den USA, daß sie praktisch keine Bedenken gegenüber seiner Auflösung hatten und daß ihr Einfluss dazu beigetragen hat. Ohne Zweifel war der Sieg nicht in jeder Beziehung der, den sie erwartet hatten. ... Ihre Vision des republikanischen und demokratischen Europa, wie sie es sich im Rahmen des Völkerbundes ausgemalt hatten, hat sich kaum erfüllt. Am Ende haben sich nationalistische Meinungsführer, Diplomaten und Militärs, ihrer psychologischen und moralischen Unterstützung bedient, um eine Hegemonie zu errichten, die immer noch prekär war, einer Hegemonie Frankreichs über die kleinen Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die wesentlich weniger lebensfähig waren, und viel gefährlicher für das Gleichgewicht in Europa, wesentlich weniger nützlich als Barriere gegen den deutschen Expansionismus, als dies eine gemäß den Wünschen des letzten Kaisers umgestaltete Monarchie gewesen wäre.

Übrigens kann man sich fragen, warum die Freimaurer sich mit beträchtlicher Heftigkeit gegen die Anschuldigung erhoben haben, etwas zu jenem Sieg beigetragen zu haben, der vielleicht einer der größten historischen Siege war, den sie jemals mit herbeigeführt hatten. Sie verneinten nicht, daß die tatsächliche Zerstörung Österreichs mit ihren Ideen übereinstimmte. Ohne Zweifel entsprach der Sieg nicht ihren Vorstellungen. Ein Sieg, der aus der Monroe-Doktrin geboren wurde, aus dem Triumph der Mikronationalismen eines Masaryk, Vesné, Trumbié, Pagié und Bratianu, und aus einer prekären Hegemonie Frankreichs, aus dem Auftreten kleiner Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die unfähig waren dem deutschen Expansionismus Einhalt zu gebieten, aber stark genug, um die westliche Presse zu bestechen und ihre eigenen Minderheiten zu unterdrücken.

--
Dies ist G o o g l e s Cache von http://www.anthros-online.de/okkultismus/revolution_und_freimaurer.htm.
Das Archiv von G o o g l e enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.Klicken Sie hier, um zur aktuellen Seite ohne Hervorhebungen zu gelangen.


Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.
Diese Suchbegriffe wurden hervorgehoben:  lloyd  judentum  jugoslawien 


Die französischen Freimaurer

aus: François Fejtö: Réquiem pour un empire défunt. Histoire de la destruction de l'Autriche-Hongrie. Lieu Commun, Paris 1988, pp. 337-345:

»Auch wenn die französische Linke, die Kleinbürger und Arbeiter, die Radikalen und Republikaner sich mit nahezu religiösem Eifer mit der  revolutionären Tradition verbunden fühlte, so kann man doch sagen - um auf das klassische leninistische Schema von der Arbeiterklasse und ihrer Avantgarde zurückzugreifen - daß diese Avantgarde die Freimaurerei war: eine elitäre Organisation, gut durchstrukturiert, besser organisiert und zentralisiert als die politischen Parteien. Sie spielte eine Vorreiterrolle bei der Transformation des Krieges der Mächte in einen Krieg der Ideologien, die auf die Republikanisierung Europas abzielte. In einem Europa, das als Gemeinschaft von Nationen - eine wesentlich maurerische Idee - reorganisiert werden sollte, würden die beiden Hydrenköpfe des Klerikalismus und des militaristischen Monarchismus mit einem Schlag abgeschlagen sein. Wir haben weiter oben bemerkt, daß die französische Kriegspropaganda sich als auf eine wesentliche Rechtfertigung des Krieges auf die republikanische, jakobinische Ideologie berief, die das Erbe der französischen Revolution darstellte.

Im Moment des Kriegsausbruchs waren der Präsident René Viviani und sein Aussenminister Théophile Delcassé Maurer. In der Regierung Briand  (29 Oktober 1915-Dezember 1916), hatte Viviani das Portefeuille der Justiz inne und Marcel Sembat, ebenfalls Maurer, die öffentlichen Arbeiten. In der Regierung Ribot (20 März-12 September 1917), verblieb Viviani das Justizministerium, und der Innenminister, Théodore Steeg, war ebenso wie der Versorgungsminister, Maurice Viollette, Maurer; Paul Painlevé (12 September 1916-November 1917) hatte als Finanzminister einen Maurer, Lucien Klotz. Im wichtigen Kriegskomitee waren die Maurer vertreten durch Léon Bourgeois, Paul Doumer, Franklin Bouillon und Lucien Klotz. Der Aussenminister unter Clémenceau (16 November 1917-1920), Stephen Pichon, war Maurer.

Gérard Gayot stellt, im Gegensatz zu Augustin Cochin und François Furet, die Freimaurer des 18. Jahrhunderts als "in ihren geheimen Laboratorien unschuldig an der Vorbereitung der egalitären und demokratischen Waffenlager" vor, und mehr noch, als "gewohnheitsmäßige Kompromissler und Freunde der Ordnung." Nach Gayot hat die revolutionäre Bewegung die Freimaurer überrascht; der große Zusammenschluß zwischen "dem Bürger und dem Bruder ... war das große Werk der Freimaurer des 18. Jahrhunderts und fand seine Vollendung in jedem Fall nach 1870." Das Konkordat Napoleons, dem die Freimaurerei  feindlich gegenüberstand, formte aus ihr eine den Rationalismus, das Freidenkertum, den wissenschaftlichen Positivismus und den Republikanismus fördernde Struktur, die anfangs gemäßigt, später radikal war. Als Garibaldi, ein altes Mitglied der Pariser Loge "Die Freunde des Vaterlandes", die Versammlung der Freidenker von Neapel gründete, um gegen das vatikanische Konzil zu opponieren, gehörten Victor Hugo, Edgar Quinet, Jules Michelet und bemerkenswerterweise  Émile Littré zu dieser Versammlung. Die Rolle der Freimaurerei beim Sieg der Republik ist um so wichtiger, als die "republikanische Partei" lediglich auf dem Papier existierte; die Maurerei war die einzige hierarchisierte und strukturierte Organisation. Die Männer, die am 4. September die Republik der nationalen Verteidigung im Hôtel de Ville ausriefen, waren Maurer und in der provisorischen Regierung um den katholischen General Louis Trochu waren die Freimaurer stark vertreten durch Eugène Pelletan, Louis Garnier-Pagès, Henri Rochefort, Adolphe Crémieux, Léon Gambetta, Jules Simon, Ernest Picard und Emmanuel Arago.
...

Der Wahlsieg der Republikaner im Jahr 1877 war weitgehend ein Werk der Maurerei.  Zwischen 1871 und 1877 erschien sie als der Kitt der republikanischen Partei. Die Freimaurerei erschien als demokratische, laizistische Kraft, die stark antiklerikal ausgerichtet war und wurde gegen 1910 zur "republikanischen Kirche". In diesem Zeitraum gehörten viele Abgeordnete, Minister, Präsidenten des Parlaments und Staatschefs der Freimaurerei an: Léon Gambetta, Henri Brisson, Charles Floquet, Jules Méline, Léon Bourgeois, Jules Ferry, Maurice Rouvier, Charles Dupuy, Émile Combes, Paul Doumer, Gaston Doumergue, Alexandre Millerand, René Viviani, Camille Chautemps, usw., um nur die bekanntesten zu erwähnen.

Die Freimaurer lenkten die Presse, kontrollierten die Sektionen der Liga für die Menschenrechte und für den Unterricht (gegründet im Jahr 1865 durch den Maurer Macé), ebenso wie die Gesellschaften der Freidenker. (Aber das Beispiel Clémenceaus zeigt, daß die Zugehörigkeit zur Maurerei nur ein Element unter anderen in der republikanischen Meinungsvielfalt war). Gegen Ende des Jahrhunderts spielte die Maurerei eine entscheidende Rolle bei der Bildung der radikalen Partei und seit der Affäre Dreyfus (1898) vereinte sie mit ihrer Mobilisierungskraft Republikaner, "Zentren der Reflexion", die der radikalen Partei politische Inhalte lieferten und das Arsenal der theoretischen Argumente, um sich zu rechtfertigen.

Unter der 3. Republik begünstigte die Zugehörigkeit zur Maurerei den Zugang zu Laufbahnen in der Administration und das zügige Vorankommen. Dies erklärt, wenigstens teilweise, das Anwachsen der Brüderschaft: Zehntausend Maurer am Ende des 2. Empire, 32.000 im Jahr 1908, 50.000 bis 60.000 im Jahr 1914. Gegen 1910 wurde die radikale Partei als der "weltliche Arm" der Maurerei betrachtet. 41 von Hundert ihrer Mitglieder waren Maurer. Aber von diesem Zeitpunkt an begann der Zufluss von Sozialisten, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs zur Mehrheit wurden sowie der von zahlreichen jüdischen Intellektuellen, die sich von ihrem Judentum verabschiedet hatten und in der Maurerei eine spirituelle Ersatz-Gemeinschaft fanden, den Charakter der Maurerei etwas zu verändern, ohne aber deren Wesen grundlegend zu entstellen.

All dies geschah, während die Maurer, unter welchen die Pazifisten eine nicht unbeträchtliche Kraft darstellten, im Gegensatz zu den Sozialisten, durch den Krieg außerordentlich beunruhigt und gespalten wurden.

1891 hatten sie sich geweigert, am Friedenskongress teilzunehmen, der in Rom von den italienischen Maurern organisiert worden war, um dadurch gegen die Erneuerung der Triple-Entente durch Italien zu protestieren (aber sie reagierten nicht auf die Ankündigung der französisch-russischen Allianz).

Der französische Maurerkongress im Jahr 1900 hatte das Prinzip des Krieges als solches verurteilt und die Einrichtung einer Schiedsgerichtsbarkeit nahegelegt. 1902 war ein internationales Büro für maurerische Beziehungen begründet worden, deren pazifistische Zielsetzung sich offen zur Schau stellte. 1899 war in einer Konferenz für den Frieden in La Haye, bei der der Maurer Léon Bourgeois den Vorsitz führte, eine Entschließung angenommen worden, die die französisch-deutsche Annäherung befürwortete. 1914 ging die französische Freimaurerei in ihrer großen Mehrheit zum Patriotismus über. Die Goethe-Loge wurde geschlossen. Es ist wahr, daß die Idee der nationalen Verteidigung bei den Freimaurern stets von Friedensperspektiven begleitet war, die einen internationalistischen Klang hatten und vom Traum eines Völkerbundes Zeugnis ablegte.

Das Ereignis, das sie, vom Beginn des Krieges an, in Richtung der heiligen Allianz mit den nationalistischen Patrioten stieß, war der Bericht, der die Großloge am 6. Juni 1914 erreichte und einen wahren Theaterdonner auslöste. An diesem Tag hatte der Rat der Großloge von Frankreich nämlich erfahren, daß in Berlin die größten Logen auf Verlangen der Großloge Preussen sich anschickten, jede Propaganda zugunsten des Friedens einzustellen und alle Beziehungen zu alliierten Logen abzubrechen. Dies war das plötzliche Ende des masonischen Internationalismus, der ersten sozialistischen Internationalen. Von da an wurde die Verteidigung des Vaterlandes gegen den kriegerischen Imperialismus das Losungswort der maurerischen Propaganda, in enger Zusammenarbeit mit der Propaganda der Regierung, in der viele der ihren saßen.

Eine solche patriotische Begeisterung hatten übrigens seinen Vorläufer in einer elsass-lothringischen Loge, die seit etwa zehn Jahren Teil der maurerischen Organisation war. "Freimaurer sein" hatte im Jahr 1882 ein Rat des Grand-Orient erklärt, "heißt Republikaner und Patriot sein." Die französischen Logen hatten nach 1870 ihre deutschen Mitglieder ausgeschlossen und die deutschen Logen unter französischer Jurisdiktion geschlossen. Erst im Jahr 1885, hatten sie von neuem erlaubt, deutsche Mitglieder aufzunehmen. Die Maurer haben aktiv die Alliance francaise unterstützt, die im Jahr 1884 begründet worden war, um die Verbreitung der französischen Kultur zu fördern, und sie haben selbst die Liga der Patrioten unterstützt, die 1881 durch Déroulède begründet worden war. Briand, ein Mann des Friedens, ohne Maurer zu sein, drückte seine Irritation vor den Exzessen des maurerischen, antiklerikalen und antigermanischen [anti-alemannischen, l Allemand] Eiferertums aus.


Es darf auch nicht vergessen werden, daß der Wille, den Krieg bis zu Ende zu führen, bis zum Endsieg, ebensowenig ein Ergebnis des maurerischen Wirkens war, wie die französische Revolution, deren Vorbereitung ihnen durch die Konterrevolutionäre angelastet worden war, zuletzt durch das Vichyregime. Clémenceau war ebensowenig Maurer wie Robespierre. Im Verlauf der Kriegsjahre versuchte die Gegenpartei, die katholische Partei, die Freimaurer als Feinde des Vaterlandes hinzustellen, als Partisanen eines Friedens mit Deutschland um jeden Preis.

In der Tat zogen die Freimaurer als eine geheime Organisation mitten in den öffentlichen Organisationen wie der Liga für die Menschenrechte, der Liga für den Unterricht, des Freidenkerbundes, die verschiedenen Meinungsströmungen in der republikanischen Öffentlichkeit in Rechnung: sie waren ausgerüstet, um als Laboratorium für manchmal kontroverse Ideen zu dienen. Rückhaltlose Anhänger des Nationalitätenprinzips, überarbeiteten sie zur selben Zeit Entwürfe für die Gemeinschaft der Nationen, den Völkerbund. Wie die Mehrzahl der Sozialisten, wünschten sie einen Frieden ohne Annexionen, aber ihre italienischen Freunde veranlaßten sie, sich in annexionistische Eroberungsgelüste zu kleiden, ihre serbischen Mitglieder gewannen sie darüber hinaus für die Idee eines Groß-Serbien, dann für jene von Jugoslawien, und ihre Brüder Masaryk und Benci überzeugten sie mit Leichtigkeit, daß, indem sie den Pfeiler des Vatikan und des Monarchismus, nämlich Österreich-Ungarn, seiner Bestandteile beraubten, sie sich zu der geheiligten Mission, die dem Volk der Revolution von der Vorsehung zugedacht sei, bekannten und den jubelnden Morgen vorbereiteten.

So sah sich der große maurerische Apparat der Verfügungsmacht der Propaganda ausgesetzt, die von den Komitees der tschechoslowakischen, jugoslawischen usw. Emigranten ausging. Der internationale Freimaurerkongreß der alliierten und neutralen Länder, der in Paris vom 28 bis 30 Juni 1917 zusammenkam, nahm in seine Resolutionen die ganze Palette der italienischen, tschechoslowakischen und jugoslawischen Gebietsansprüche auf, die auf die Zerstörung der Monarchie abzielten und den alliierten und neutralen Regierungen empfohlen wurden.

André Lebey, Berichterstatter des Kongresses, stellte fest: "Die beiden Reiche (wohlgemerkt, es ist von Österreich-Ungarn die Rede) "fügen die Nationen durch die Kraft unnatürlicher Methoden zusammen". "Diese Reiche", rief er mit Eifer aus, "halten die andauernde Negation der Menschen- und der Völkerrechte aufrecht." Ohne ihre unwiderbringliche Bezwingung seien weder die Menschenrechte noch die Rechte der Völker existent. "Allein ein ernsthafter Sieg, sicher und vollständig, könnte das letzte Hindernis beseitigen, das sich einem Völkerbund entgegenstellt." Um hinzuzufügen: "Wenn es einen heiligen Krieg gibt, dann diesen hier und wir müssen es unermüdlich wiederholen, ohne nachzulassen. ... Neu gezeugt, gereinigt, zum Heil geführt, werden uns die Völker Zentraleuropas kennen, die Organisation, die in einem befreiten Vaterland akzeptabel, wohltätig und heilsam ist ..."

Danach zählte Lebey die vier Prinzipien auf, denen die Freimaurerei all ihre Kräfte widmen solle:

1. Rückkehr von Elsass-Lothringen an Frankreich
2. Wiederherstellung Polens durch die Wiedervereinigung seine drei Fragmente
3, Unabhängigkeit von Böhmen
4. Im Prinzip, "die Befreiung und vereinigung aller heute unterdrückten Nationalitäten durch die politische und administrative Organisation der Gesamtheit jener Nationen in Staaten, zu denen sich die genannten Nationen durch ein Plebiszit bekennen." (Wie Elsass-Lothringen zu Frankreich, so sollte das Trentino und Triest zu Italien zurückkehren dürfen)

Was Böhmen betreffe, fügt der Berichterstatter hinzu, "wo nichts die Tiefe des nationalen Gefühls zu erschüttern vermochte ... so zeigt es Europa, daß es eine Aufgabe, eine Aufgabe voll von zukünftigen Rekompensationen ist, ihm die Pforten der Unabhängigkeit zu öffnen. Prag wird im neuen Europa ein unvergleichliches Zentrum des Ausgleichs sein."

Insgesamt gingen die durch den Kongress angenommenen Beschlüsse in die Richtung des von Lebey Dargestellten, indem sie insbesondere hervorhoben, daß "die Einheit, die Autonomie und die Unabhängigkeit jeder Nation unverletzlich" seien.


Die italienische Delegation, deren Zusatztext sich von Ideen Mazzinis inspirieren ließ, wünschte, daß die Beschlüsse schlicht den "vollständigen Triumph des Nationalitätenprinzips" zur Geltung zu bringen vermöchten, und fügte Armenien zu der Liste der zu befreienden Völker hinzu.

Einige Monate später bekundete der Kongress der Liga für die Menschenrechte, daß "Frieden zu schließen, bevor die Möglichkeit bestehe, diesen auf der definierten Basis (Rückgabe von Elsass-Lothringen, von Belgien und Serbien, Unabhängigkeit der Tschechoslowakei usw.) aufzubauen, eine Selbstpreisgabe des Rechtes an die Macht sei."

Kann man es den französischen Freimaurern verdenken, die durch die integristischen Katholiken, ebenso wie durch Barrès und die Action francaise  unablässig bestürmt wurden, daß sie mit Nachdruck zum Gegenangriff übergingen, überall wo sie konnten, nachdem sie überzeugt waren, daß die Mehrzahl des Volkes für ihre Ideen und ihre Argumente viel empfänglicher war, als für diejenigen seiner Priester? Wenn es nicht Philippe Berthelot, der ihnen nahegestanden zu haben scheint, war, der, veranlaßt durch sein väterliches Erbe, einen seiner Kollaborateure, Bréal, nach Spanien schickte, so beklagte sich der König gegenüber Poincaré über die Unannehmlichkeiten, die er mit den "revolutionären Mineuren" hatte. Die Katholiken, zu Recht oder zu Unrecht, hingen vollständig der These vom subversiven maurerischen Komplott an, während die Maurer, ihrerseits überall die "schwarze Hand" der Katholiken sahen.

Es muß auch festgehalten werden, daß die Maurer der nationalen Sache Frankreichs bedeutende Dienste leisteten, ebenso wie derjenigen der Alliierten, wenn sie ihren Einfluss auf die italienischen Brüder geltend machten, um die Halbinsel aus der Triple-Allianz herauszubrechen, und ihnen "die Einheit der lateinischen Völker gegen die Feinde der Humanität: Bismarck, Tisza und Crispi" predigten.

Ebenso übten sie Druck auf die Logen aus, die, in Österreich verboten, sich in Ungarn frei betätigen konnten - die ihrerseits dem Einfluss der englischen Maurerei unterlagen, der moderater und, sagen wir, bürgerlicher war - , um sie davon zu überzeugen, daß ihr Land sich von der Triple-Allianz lösen solle, d.h. von der Allianz mit Deutschland.

Indessen fiel, wir wir bereits bemerkten, der revolutionäre Patriotismus der maurerischen Ideologie mit dem humanitären und internationalistischen Erbe der Maurer des 18. Jahrhunderts zusammen, was ganz und gar nicht dem Geschmack der Ultras entsprach, die sich von ihren neuen Alliierten gewünscht hätten, daß sie eine noch klarer nationalistische Position bezogen hätten.

Wahrscheinlich jedoch mit bitterer Enttäuschung wandten sich die Maurer in ihrem patriotischen Eifer von ihrem immerwährenden Idol, Romain Rolland abwandten, - der von Ausserhalb den Krieg heftig verdammte - um sich mit alten pazifistischen Freunden zu vereinigen, die Kriegsverfechter geworden waren.

Übrig bleibt zu erwähnen, daß die Freimaurer in ihrer großen Mehrzahl ab 1914, fast bedingungslos, die Strategie Clémenceaus, bis zum bitteren Ende Krieg zu führen, unterstützten, und ihr Bestes dafür gaben, die Versuchungen eines Kompromissfriedens oder eines Separatfriedens zu bezwingen, weil sie die Sache so betrachteten, wie ihr Sprachrohr André Lebey es ausdrückte, daß Österreich keineswegs meine, ein dauerhafter Frieden könne sich auf das Recht der Völker gründen, über sich selbst zu bestimmen: "Dies überrascht uns nicht, "sagt er, "denn kein Staat hat mit den Vorlieben und Bedürfnissen der Nationen mehr tabula rasa gemacht, als das Donauimperium. Die Politik von Metternich herrscht dort immer noch vor  ..."

Lebey bemerkte auch, daß "obgleich die Freimaurerei im Prinzip gegen alle Kriege ist, sie doch die sublimen Opfer der Völker überaus bewundern muß und ihnen das Recht bringen muß, alle unterdrückten Nationalitäten zu rekonstituieren."

Ebenso, zur gleichen Zeit, in völliger Übereinstimmung mit dem nationalen Konsens für den Krieg, blieb eine große Zahl der Mitglieder der Liga für die Menschenrechte, die eine Emanation der Freimaurerei war, der Idee eines reinen Defensivkrieges und dem Frieden ohne Annexionen verbunden. So protestierte am 10 April 1915 die Liga gegen einen Artikel von Barrès, der für Frankreich die "Rheingrenze mit Brückenköpfen auf dem rechten Ufer" gefordert hatte. Die Liga wies darauf hin, daß die offizielle Zensur die Verbreitung ultranationalistischer Thesen favorisiere, während sie moderate Thesen zensiere. Um jeden Zweifel auszuräumen, veröffentlichte der ehemalige Abgeordnete und Chef des Kabinetts des Sozialisten Guesde eine Broschüre mit dem Titel: "Der Friede, den wir wollen."

Je heftiger der Krieg wurde und je länger er andauerte, vertieften sich auch die Gräben zwischen den Partisanen des Friedens ohne Annexionen (der einen Frieden des Verzichts, des Kompromisses voraussetzte) und jenen, die jeglichen Frieden auf der Basis des status quo, wie ihn die Deutschen anboten, zurückwiesen.

Gleichzeitig verlangten die Freimaurer bei einem Punkt, bezüglich Österreich-Ungarns, Veränderungen, die Annexionen einschlossen, weitgehend zum Vorteil der kleinen Verbündeten der Entente (Serbien, Rumänien, Italien) und die Unabhängigkeit von Böhmen. Viele unter ihnen sagten: Ist es unser Fehler, wenn Österreich-Ungarn durch Wilson, Lloyd George oder Clemenceau beschädigt worden ist? Doch das Dementi war zögerlich, und wenig überzeugend. Es hat seine Berechtigung, wenn Bardoux in Le Temps am 30 April 18938 schrieb: daß "der Protestantismus und die Freimaurerei Verbündete seien", um Österreich zu zerstören, "das in diesen Milieus als die Zitadelle des klerikalen und rückwärtsgewandten Geistes betrachtet wurde ..." Dies ist nicht zu bezweifeln. Aber von da bis zu der Erklärung, daß das Reich hemmungslos durch den Willen einiger Staatsmänner, durch unterirdische Aktionen, die von der Freimaurerei organisiert wurden, zerstört worden sei, muß ein "Pass überschritten werden".

Diesen Schritt werden wir nicht machen. Aber es kann die Tatsache nicht geleugnet werden, daß die Zerstörung von Österreich mit Ideen von Maurern übereinstimmte, sowohl in Frankreich als auch in den USA, daß sie praktisch keine Bedenken gegenüber seiner Auflösung hatten und daß ihr Einfluss dazu beigetragen hat. Ohne Zweifel war der Sieg nicht in jeder Beziehung der, den sie erwartet hatten. ... Ihre Vision des republikanischen und demokratischen Europa, wie sie es sich im Rahmen des Völkerbundes ausgemalt hatten, hat sich kaum erfüllt. Am Ende haben sich nationalistische Meinungsführer, Diplomaten und Militärs, ihrer psychologischen und moralischen Unterstützung bedient, um eine Hegemonie zu errichten, die immer noch prekär war, einer Hegemonie Frankreichs über die kleinen Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die wesentlich weniger lebensfähig waren, und viel gefährlicher für das Gleichgewicht in Europa, wesentlich weniger nützlich als Barriere gegen den deutschen Expansionismus, als dies eine gemäß den Wünschen des letzten Kaisers umgestaltete Monarchie gewesen wäre.

Übrigens kann man sich fragen, warum die Freimaurer sich mit beträchtlicher Heftigkeit gegen die Anschuldigung erhoben haben, etwas zu jenem Sieg beigetragen zu haben, der vielleicht einer der größten historischen Siege war, den sie jemals mit herbeigeführt hatten. Sie verneinten nicht, daß die tatsächliche Zerstörung Österreichs mit ihren Ideen übereinstimmte. Ohne Zweifel entsprach der Sieg nicht ihren Vorstellungen. Ein Sieg, der aus der Monroe-Doktrin geboren wurde, aus dem Triumph der Mikronationalismen eines Masaryk, Vesné, Trumbié, Pagié und Bratianu, und aus einer prekären Hegemonie Frankreichs, aus dem Auftreten kleiner Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die unfähig waren dem deutschen Expansionismus Einhalt zu gebieten, aber stark genug, um die westliche Presse zu bestechen und ihre eigenen Minderheiten zu unterdrücken.

--
Dies ist G o o g l e s Cache von http://www.anthros-online.de/okkultismus/revolution_und_freimaurer.htm.
Das Archiv von G o o g l e enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.Klicken Sie hier, um zur aktuellen Seite ohne Hervorhebungen zu gelangen.


Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.
Diese Suchbegriffe wurden hervorgehoben:  lloyd  judentum  jugoslawien 


Die französischen Freimaurer

aus: François Fejtö: Réquiem pour un empire défunt. Histoire de la destruction de l'Autriche-Hongrie. Lieu Commun, Paris 1988, pp. 337-345:

»Auch wenn die französische Linke, die Kleinbürger und Arbeiter, die Radikalen und Republikaner sich mit nahezu religiösem Eifer mit der  revolutionären Tradition verbunden fühlte, so kann man doch sagen - um auf das klassische leninistische Schema von der Arbeiterklasse und ihrer Avantgarde zurückzugreifen - daß diese Avantgarde die Freimaurerei war: eine elitäre Organisation, gut durchstrukturiert, besser organisiert und zentralisiert als die politischen Parteien. Sie spielte eine Vorreiterrolle bei der Transformation des Krieges der Mächte in einen Krieg der Ideologien, die auf die Republikanisierung Europas abzielte. In einem Europa, das als Gemeinschaft von Nationen - eine wesentlich maurerische Idee - reorganisiert werden sollte, würden die beiden Hydrenköpfe des Klerikalismus und des militaristischen Monarchismus mit einem Schlag abgeschlagen sein. Wir haben weiter oben bemerkt, daß die französische Kriegspropaganda sich als auf eine wesentliche Rechtfertigung des Krieges auf die republikanische, jakobinische Ideologie berief, die das Erbe der französischen Revolution darstellte.

Im Moment des Kriegsausbruchs waren der Präsident René Viviani und sein Aussenminister Théophile Delcassé Maurer. In der Regierung Briand  (29 Oktober 1915-Dezember 1916), hatte Viviani das Portefeuille der Justiz inne und Marcel Sembat, ebenfalls Maurer, die öffentlichen Arbeiten. In der Regierung Ribot (20 März-12 September 1917), verblieb Viviani das Justizministerium, und der Innenminister, Théodore Steeg, war ebenso wie der Versorgungsminister, Maurice Viollette, Maurer; Paul Painlevé (12 September 1916-November 1917) hatte als Finanzminister einen Maurer, Lucien Klotz. Im wichtigen Kriegskomitee waren die Maurer vertreten durch Léon Bourgeois, Paul Doumer, Franklin Bouillon und Lucien Klotz. Der Aussenminister unter Clémenceau (16 November 1917-1920), Stephen Pichon, war Maurer.

Gérard Gayot stellt, im Gegensatz zu Augustin Cochin und François Furet, die Freimaurer des 18. Jahrhunderts als "in ihren geheimen Laboratorien unschuldig an der Vorbereitung der egalitären und demokratischen Waffenlager" vor, und mehr noch, als "gewohnheitsmäßige Kompromissler und Freunde der Ordnung." Nach Gayot hat die revolutionäre Bewegung die Freimaurer überrascht; der große Zusammenschluß zwischen "dem Bürger und dem Bruder ... war das große Werk der Freimaurer des 18. Jahrhunderts und fand seine Vollendung in jedem Fall nach 1870." Das Konkordat Napoleons, dem die Freimaurerei  feindlich gegenüberstand, formte aus ihr eine den Rationalismus, das Freidenkertum, den wissenschaftlichen Positivismus und den Republikanismus fördernde Struktur, die anfangs gemäßigt, später radikal war. Als Garibaldi, ein altes Mitglied der Pariser Loge "Die Freunde des Vaterlandes", die Versammlung der Freidenker von Neapel gründete, um gegen das vatikanische Konzil zu opponieren, gehörten Victor Hugo, Edgar Quinet, Jules Michelet und bemerkenswerterweise  Émile Littré zu dieser Versammlung. Die Rolle der Freimaurerei beim Sieg der Republik ist um so wichtiger, als die "republikanische Partei" lediglich auf dem Papier existierte; die Maurerei war die einzige hierarchisierte und strukturierte Organisation. Die Männer, die am 4. September die Republik der nationalen Verteidigung im Hôtel de Ville ausriefen, waren Maurer und in der provisorischen Regierung um den katholischen General Louis Trochu waren die Freimaurer stark vertreten durch Eugène Pelletan, Louis Garnier-Pagès, Henri Rochefort, Adolphe Crémieux, Léon Gambetta, Jules Simon, Ernest Picard und Emmanuel Arago.
...

Der Wahlsieg der Republikaner im Jahr 1877 war weitgehend ein Werk der Maurerei.  Zwischen 1871 und 1877 erschien sie als der Kitt der republikanischen Partei. Die Freimaurerei erschien als demokratische, laizistische Kraft, die stark antiklerikal ausgerichtet war und wurde gegen 1910 zur "republikanischen Kirche". In diesem Zeitraum gehörten viele Abgeordnete, Minister, Präsidenten des Parlaments und Staatschefs der Freimaurerei an: Léon Gambetta, Henri Brisson, Charles Floquet, Jules Méline, Léon Bourgeois, Jules Ferry, Maurice Rouvier, Charles Dupuy, Émile Combes, Paul Doumer, Gaston Doumergue, Alexandre Millerand, René Viviani, Camille Chautemps, usw., um nur die bekanntesten zu erwähnen.

Die Freimaurer lenkten die Presse, kontrollierten die Sektionen der Liga für die Menschenrechte und für den Unterricht (gegründet im Jahr 1865 durch den Maurer Macé), ebenso wie die Gesellschaften der Freidenker. (Aber das Beispiel Clémenceaus zeigt, daß die Zugehörigkeit zur Maurerei nur ein Element unter anderen in der republikanischen Meinungsvielfalt war). Gegen Ende des Jahrhunderts spielte die Maurerei eine entscheidende Rolle bei der Bildung der radikalen Partei und seit der Affäre Dreyfus (1898) vereinte sie mit ihrer Mobilisierungskraft Republikaner, "Zentren der Reflexion", die der radikalen Partei politische Inhalte lieferten und das Arsenal der theoretischen Argumente, um sich zu rechtfertigen.

Unter der 3. Republik begünstigte die Zugehörigkeit zur Maurerei den Zugang zu Laufbahnen in der Administration und das zügige Vorankommen. Dies erklärt, wenigstens teilweise, das Anwachsen der Brüderschaft: Zehntausend Maurer am Ende des 2. Empire, 32.000 im Jahr 1908, 50.000 bis 60.000 im Jahr 1914. Gegen 1910 wurde die radikale Partei als der "weltliche Arm" der Maurerei betrachtet. 41 von Hundert ihrer Mitglieder waren Maurer. Aber von diesem Zeitpunkt an begann der Zufluss von Sozialisten, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs zur Mehrheit wurden sowie der von zahlreichen jüdischen Intellektuellen, die sich von ihrem Judentum verabschiedet hatten und in der Maurerei eine spirituelle Ersatz-Gemeinschaft fanden, den Charakter der Maurerei etwas zu verändern, ohne aber deren Wesen grundlegend zu entstellen.

All dies geschah, während die Maurer, unter welchen die Pazifisten eine nicht unbeträchtliche Kraft darstellten, im Gegensatz zu den Sozialisten, durch den Krieg außerordentlich beunruhigt und gespalten wurden.

1891 hatten sie sich geweigert, am Friedenskongress teilzunehmen, der in Rom von den italienischen Maurern organisiert worden war, um dadurch gegen die Erneuerung der Triple-Entente durch Italien zu protestieren (aber sie reagierten nicht auf die Ankündigung der französisch-russischen Allianz).

Der französische Maurerkongress im Jahr 1900 hatte das Prinzip des Krieges als solches verurteilt und die Einrichtung einer Schiedsgerichtsbarkeit nahegelegt. 1902 war ein internationales Büro für maurerische Beziehungen begründet worden, deren pazifistische Zielsetzung sich offen zur Schau stellte. 1899 war in einer Konferenz für den Frieden in La Haye, bei der der Maurer Léon Bourgeois den Vorsitz führte, eine Entschließung angenommen worden, die die französisch-deutsche Annäherung befürwortete. 1914 ging die französische Freimaurerei in ihrer großen Mehrheit zum Patriotismus über. Die Goethe-Loge wurde geschlossen. Es ist wahr, daß die Idee der nationalen Verteidigung bei den Freimaurern stets von Friedensperspektiven begleitet war, die einen internationalistischen Klang hatten und vom Traum eines Völkerbundes Zeugnis ablegte.

Das Ereignis, das sie, vom Beginn des Krieges an, in Richtung der heiligen Allianz mit den nationalistischen Patrioten stieß, war der Bericht, der die Großloge am 6. Juni 1914 erreichte und einen wahren Theaterdonner auslöste. An diesem Tag hatte der Rat der Großloge von Frankreich nämlich erfahren, daß in Berlin die größten Logen auf Verlangen der Großloge Preussen sich anschickten, jede Propaganda zugunsten des Friedens einzustellen und alle Beziehungen zu alliierten Logen abzubrechen. Dies war das plötzliche Ende des masonischen Internationalismus, der ersten sozialistischen Internationalen. Von da an wurde die Verteidigung des Vaterlandes gegen den kriegerischen Imperialismus das Losungswort der maurerischen Propaganda, in enger Zusammenarbeit mit der Propaganda der Regierung, in der viele der ihren saßen.

Eine solche patriotische Begeisterung hatten übrigens seinen Vorläufer in einer elsass-lothringischen Loge, die seit etwa zehn Jahren Teil der maurerischen Organisation war. "Freimaurer sein" hatte im Jahr 1882 ein Rat des Grand-Orient erklärt, "heißt Republikaner und Patriot sein." Die französischen Logen hatten nach 1870 ihre deutschen Mitglieder ausgeschlossen und die deutschen Logen unter französischer Jurisdiktion geschlossen. Erst im Jahr 1885, hatten sie von neuem erlaubt, deutsche Mitglieder aufzunehmen. Die Maurer haben aktiv die Alliance francaise unterstützt, die im Jahr 1884 begründet worden war, um die Verbreitung der französischen Kultur zu fördern, und sie haben selbst die Liga der Patrioten unterstützt, die 1881 durch Déroulède begründet worden war. Briand, ein Mann des Friedens, ohne Maurer zu sein, drückte seine Irritation vor den Exzessen des maurerischen, antiklerikalen und antigermanischen [anti-alemannischen, l Allemand] Eiferertums aus.


Es darf auch nicht vergessen werden, daß der Wille, den Krieg bis zu Ende zu führen, bis zum Endsieg, ebensowenig ein Ergebnis des maurerischen Wirkens war, wie die französische Revolution, deren Vorbereitung ihnen durch die Konterrevolutionäre angelastet worden war, zuletzt durch das Vichyregime. Clémenceau war ebensowenig Maurer wie Robespierre. Im Verlauf der Kriegsjahre versuchte die Gegenpartei, die katholische Partei, die Freimaurer als Feinde des Vaterlandes hinzustellen, als Partisanen eines Friedens mit Deutschland um jeden Preis.

In der Tat zogen die Freimaurer als eine geheime Organisation mitten in den öffentlichen Organisationen wie der Liga für die Menschenrechte, der Liga für den Unterricht, des Freidenkerbundes, die verschiedenen Meinungsströmungen in der republikanischen Öffentlichkeit in Rechnung: sie waren ausgerüstet, um als Laboratorium für manchmal kontroverse Ideen zu dienen. Rückhaltlose Anhänger des Nationalitätenprinzips, überarbeiteten sie zur selben Zeit Entwürfe für die Gemeinschaft der Nationen, den Völkerbund. Wie die Mehrzahl der Sozialisten, wünschten sie einen Frieden ohne Annexionen, aber ihre italienischen Freunde veranlaßten sie, sich in annexionistische Eroberungsgelüste zu kleiden, ihre serbischen Mitglieder gewannen sie darüber hinaus für die Idee eines Groß-Serbien, dann für jene von Jugoslawien, und ihre Brüder Masaryk und Benci überzeugten sie mit Leichtigkeit, daß, indem sie den Pfeiler des Vatikan und des Monarchismus, nämlich Österreich-Ungarn, seiner Bestandteile beraubten, sie sich zu der geheiligten Mission, die dem Volk der Revolution von der Vorsehung zugedacht sei, bekannten und den jubelnden Morgen vorbereiteten.

So sah sich der große maurerische Apparat der Verfügungsmacht der Propaganda ausgesetzt, die von den Komitees der tschechoslowakischen, jugoslawischen usw. Emigranten ausging. Der internationale Freimaurerkongreß der alliierten und neutralen Länder, der in Paris vom 28 bis 30 Juni 1917 zusammenkam, nahm in seine Resolutionen die ganze Palette der italienischen, tschechoslowakischen und jugoslawischen Gebietsansprüche auf, die auf die Zerstörung der Monarchie abzielten und den alliierten und neutralen Regierungen empfohlen wurden.

André Lebey, Berichterstatter des Kongresses, stellte fest: "Die beiden Reiche (wohlgemerkt, es ist von Österreich-Ungarn die Rede) "fügen die Nationen durch die Kraft unnatürlicher Methoden zusammen". "Diese Reiche", rief er mit Eifer aus, "halten die andauernde Negation der Menschen- und der Völkerrechte aufrecht." Ohne ihre unwiderbringliche Bezwingung seien weder die Menschenrechte noch die Rechte der Völker existent. "Allein ein ernsthafter Sieg, sicher und vollständig, könnte das letzte Hindernis beseitigen, das sich einem Völkerbund entgegenstellt." Um hinzuzufügen: "Wenn es einen heiligen Krieg gibt, dann diesen hier und wir müssen es unermüdlich wiederholen, ohne nachzulassen. ... Neu gezeugt, gereinigt, zum Heil geführt, werden uns die Völker Zentraleuropas kennen, die Organisation, die in einem befreiten Vaterland akzeptabel, wohltätig und heilsam ist ..."

Danach zählte Lebey die vier Prinzipien auf, denen die Freimaurerei all ihre Kräfte widmen solle:

1. Rückkehr von Elsass-Lothringen an Frankreich
2. Wiederherstellung Polens durch die Wiedervereinigung seine drei Fragmente
3, Unabhängigkeit von Böhmen
4. Im Prinzip, "die Befreiung und vereinigung aller heute unterdrückten Nationalitäten durch die politische und administrative Organisation der Gesamtheit jener Nationen in Staaten, zu denen sich die genannten Nationen durch ein Plebiszit bekennen." (Wie Elsass-Lothringen zu Frankreich, so sollte das Trentino und Triest zu Italien zurückkehren dürfen)

Was Böhmen betreffe, fügt der Berichterstatter hinzu, "wo nichts die Tiefe des nationalen Gefühls zu erschüttern vermochte ... so zeigt es Europa, daß es eine Aufgabe, eine Aufgabe voll von zukünftigen Rekompensationen ist, ihm die Pforten der Unabhängigkeit zu öffnen. Prag wird im neuen Europa ein unvergleichliches Zentrum des Ausgleichs sein."

Insgesamt gingen die durch den Kongress angenommenen Beschlüsse in die Richtung des von Lebey Dargestellten, indem sie insbesondere hervorhoben, daß "die Einheit, die Autonomie und die Unabhängigkeit jeder Nation unverletzlich" seien.


Die italienische Delegation, deren Zusatztext sich von Ideen Mazzinis inspirieren ließ, wünschte, daß die Beschlüsse schlicht den "vollständigen Triumph des Nationalitätenprinzips" zur Geltung zu bringen vermöchten, und fügte Armenien zu der Liste der zu befreienden Völker hinzu.

Einige Monate später bekundete der Kongress der Liga für die Menschenrechte, daß "Frieden zu schließen, bevor die Möglichkeit bestehe, diesen auf der definierten Basis (Rückgabe von Elsass-Lothringen, von Belgien und Serbien, Unabhängigkeit der Tschechoslowakei usw.) aufzubauen, eine Selbstpreisgabe des Rechtes an die Macht sei."

Kann man es den französischen Freimaurern verdenken, die durch die integristischen Katholiken, ebenso wie durch Barrès und die Action francaise  unablässig bestürmt wurden, daß sie mit Nachdruck zum Gegenangriff übergingen, überall wo sie konnten, nachdem sie überzeugt waren, daß die Mehrzahl des Volkes für ihre Ideen und ihre Argumente viel empfänglicher war, als für diejenigen seiner Priester? Wenn es nicht Philippe Berthelot, der ihnen nahegestanden zu haben scheint, war, der, veranlaßt durch sein väterliches Erbe, einen seiner Kollaborateure, Bréal, nach Spanien schickte, so beklagte sich der König gegenüber Poincaré über die Unannehmlichkeiten, die er mit den "revolutionären Mineuren" hatte. Die Katholiken, zu Recht oder zu Unrecht, hingen vollständig der These vom subversiven maurerischen Komplott an, während die Maurer, ihrerseits überall die "schwarze Hand" der Katholiken sahen.

Es muß auch festgehalten werden, daß die Maurer der nationalen Sache Frankreichs bedeutende Dienste leisteten, ebenso wie derjenigen der Alliierten, wenn sie ihren Einfluss auf die italienischen Brüder geltend machten, um die Halbinsel aus der Triple-Allianz herauszubrechen, und ihnen "die Einheit der lateinischen Völker gegen die Feinde der Humanität: Bismarck, Tisza und Crispi" predigten.

Ebenso übten sie Druck auf die Logen aus, die, in Österreich verboten, sich in Ungarn frei betätigen konnten - die ihrerseits dem Einfluss der englischen Maurerei unterlagen, der moderater und, sagen wir, bürgerlicher war - , um sie davon zu überzeugen, daß ihr Land sich von der Triple-Allianz lösen solle, d.h. von der Allianz mit Deutschland.

Indessen fiel, wir wir bereits bemerkten, der revolutionäre Patriotismus der maurerischen Ideologie mit dem humanitären und internationalistischen Erbe der Maurer des 18. Jahrhunderts zusammen, was ganz und gar nicht dem Geschmack der Ultras entsprach, die sich von ihren neuen Alliierten gewünscht hätten, daß sie eine noch klarer nationalistische Position bezogen hätten.

Wahrscheinlich jedoch mit bitterer Enttäuschung wandten sich die Maurer in ihrem patriotischen Eifer von ihrem immerwährenden Idol, Romain Rolland abwandten, - der von Ausserhalb den Krieg heftig verdammte - um sich mit alten pazifistischen Freunden zu vereinigen, die Kriegsverfechter geworden waren.

Übrig bleibt zu erwähnen, daß die Freimaurer in ihrer großen Mehrzahl ab 1914, fast bedingungslos, die Strategie Clémenceaus, bis zum bitteren Ende Krieg zu führen, unterstützten, und ihr Bestes dafür gaben, die Versuchungen eines Kompromissfriedens oder eines Separatfriedens zu bezwingen, weil sie die Sache so betrachteten, wie ihr Sprachrohr André Lebey es ausdrückte, daß Österreich keineswegs meine, ein dauerhafter Frieden könne sich auf das Recht der Völker gründen, über sich selbst zu bestimmen: "Dies überrascht uns nicht, "sagt er, "denn kein Staat hat mit den Vorlieben und Bedürfnissen der Nationen mehr tabula rasa gemacht, als das Donauimperium. Die Politik von Metternich herrscht dort immer noch vor  ..."

Lebey bemerkte auch, daß "obgleich die Freimaurerei im Prinzip gegen alle Kriege ist, sie doch die sublimen Opfer der Völker überaus bewundern muß und ihnen das Recht bringen muß, alle unterdrückten Nationalitäten zu rekonstituieren."

Ebenso, zur gleichen Zeit, in völliger Übereinstimmung mit dem nationalen Konsens für den Krieg, blieb eine große Zahl der Mitglieder der Liga für die Menschenrechte, die eine Emanation der Freimaurerei war, der Idee eines reinen Defensivkrieges und dem Frieden ohne Annexionen verbunden. So protestierte am 10 April 1915 die Liga gegen einen Artikel von Barrès, der für Frankreich die "Rheingrenze mit Brückenköpfen auf dem rechten Ufer" gefordert hatte. Die Liga wies darauf hin, daß die offizielle Zensur die Verbreitung ultranationalistischer Thesen favorisiere, während sie moderate Thesen zensiere. Um jeden Zweifel auszuräumen, veröffentlichte der ehemalige Abgeordnete und Chef des Kabinetts des Sozialisten Guesde eine Broschüre mit dem Titel: "Der Friede, den wir wollen."

Je heftiger der Krieg wurde und je länger er andauerte, vertieften sich auch die Gräben zwischen den Partisanen des Friedens ohne Annexionen (der einen Frieden des Verzichts, des Kompromisses voraussetzte) und jenen, die jeglichen Frieden auf der Basis des status quo, wie ihn die Deutschen anboten, zurückwiesen.

Gleichzeitig verlangten die Freimaurer bei einem Punkt, bezüglich Österreich-Ungarns, Veränderungen, die Annexionen einschlossen, weitgehend zum Vorteil der kleinen Verbündeten der Entente (Serbien, Rumänien, Italien) und die Unabhängigkeit von Böhmen. Viele unter ihnen sagten: Ist es unser Fehler, wenn Österreich-Ungarn durch Wilson, Lloyd George oder Clemenceau beschädigt worden ist? Doch das Dementi war zögerlich, und wenig überzeugend. Es hat seine Berechtigung, wenn Bardoux in Le Temps am 30 April 18938 schrieb: daß "der Protestantismus und die Freimaurerei Verbündete seien", um Österreich zu zerstören, "das in diesen Milieus als die Zitadelle des klerikalen und rückwärtsgewandten Geistes betrachtet wurde ..." Dies ist nicht zu bezweifeln. Aber von da bis zu der Erklärung, daß das Reich hemmungslos durch den Willen einiger Staatsmänner, durch unterirdische Aktionen, die von der Freimaurerei organisiert wurden, zerstört worden sei, muß ein "Pass überschritten werden".

Diesen Schritt werden wir nicht machen. Aber es kann die Tatsache nicht geleugnet werden, daß die Zerstörung von Österreich mit Ideen von Maurern übereinstimmte, sowohl in Frankreich als auch in den USA, daß sie praktisch keine Bedenken gegenüber seiner Auflösung hatten und daß ihr Einfluss dazu beigetragen hat. Ohne Zweifel war der Sieg nicht in jeder Beziehung der, den sie erwartet hatten. ... Ihre Vision des republikanischen und demokratischen Europa, wie sie es sich im Rahmen des Völkerbundes ausgemalt hatten, hat sich kaum erfüllt. Am Ende haben sich nationalistische Meinungsführer, Diplomaten und Militärs, ihrer psychologischen und moralischen Unterstützung bedient, um eine Hegemonie zu errichten, die immer noch prekär war, einer Hegemonie Frankreichs über die kleinen Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die wesentlich weniger lebensfähig waren, und viel gefährlicher für das Gleichgewicht in Europa, wesentlich weniger nützlich als Barriere gegen den deutschen Expansionismus, als dies eine gemäß den Wünschen des letzten Kaisers umgestaltete Monarchie gewesen wäre.

Übrigens kann man sich fragen, warum die Freimaurer sich mit beträchtlicher Heftigkeit gegen die Anschuldigung erhoben haben, etwas zu jenem Sieg beigetragen zu haben, der vielleicht einer der größten historischen Siege war, den sie jemals mit herbeigeführt hatten. Sie verneinten nicht, daß die tatsächliche Zerstörung Österreichs mit ihren Ideen übereinstimmte. Ohne Zweifel entsprach der Sieg nicht ihren Vorstellungen. Ein Sieg, der aus der Monroe-Doktrin geboren wurde, aus dem Triumph der Mikronationalismen eines Masaryk, Vesné, Trumbié, Pagié und Bratianu, und aus einer prekären Hegemonie Frankreichs, aus dem Auftreten kleiner Nachfolgestaaten der zerstörten Monarchie, die unfähig waren dem deutschen Expansionismus Einhalt zu gebieten, aber stark genug, um die westliche Presse zu bestechen und ihre eigenen Minderheiten zu unterdrücken.

--


   

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!