Ein Märchen-Tierpark von Friedel Lenz als tröstliches Erlebnis im Alltag! (keine e-Mail / http://www.bioeule2002.de) schrieb:

"Die Taube: Das Schönste, was man an Tauben beobachten kann, ist ihr Flug. Nicht im Steigen, wie bei Adlern und Falken, liegt das Charakteristische diese Fliges. Wie in breiten Wogen senkt sie sichherab mit einer eigentümlichen freien Beschwingtheit. Und es mag dieser Flug sein, der zu dem Bild der Taube führte als dersich von oben herabsenkenden Geistigkeit.
In seiner höchsten Form erschien dieses Urbild am Jordanfluß, als die Taube des Heiligen Geistes über Jesus herabkam. Und in späteren Jahrhunderten enthielt es die Gralsgeschichte als ihr Heilsbild.
In unseren deutschen Märchen erscheint es am vollkommensten im Märchen 'Aschenputtel'. Wenn Aschenputtels Leidens- und Läuterungsweg beginnt, auf dem Haselbäumchen, das am Grabe der Mutter gepflanzt ist und unter dem sie dreimal am Tage betet, erscheint ein weißes Vöglein und wirft ihr herab, was für sie notwendig ist. Vögel versinnbildlichen Kräfte von oben, und um eine solche Kraft handelt es sich hier. Denn Aschenputtel muß täglich die böse Stiefmutter und die bösen Schwestern ertragen, die ihr zu allem Schweren auch noch Erbsen und Linsen in die Asche schütten, welche sie auslesen muß. Sie besteht sie ohne Widerstand und Kampf, nur mit Geduld an der eigenen Läuterung arbeitend. Sie weiß, indem das Böse uns Schwierigkeiten macht, wirft es uns im Grunde Samenkörner aus. Wir müssen sie nur geduldig aus der Asche unserer inneren Läuterung herausholen. Dann sind sie da zu finden, wo Wärme des Herzens entzündet wird und alles Niedere in der Flamme des Geistes verbrennt.
Als aber der Ruf des Königs zur Hochzeit ergangen ist und die Aschenputtel-Seele dem Rufe folgen will, tritt eine Wandlung ein. Der Angriff des Bösen verstärkt sich - die böse Stiefmutter schüttet eine Schüssel voll Linsen in die Asche -, das heißt ein gerüttelt Maß von Prüfungen überfällt nun die Seele, und sie muß noch mehr lernen. Sie muß erkennen, daß die böse Stiefmutter mit ihren Töchtern auch nur 'ein Teil ist von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft'. Und damit gewinnt Aschenputtel eine neue Fähigkeit; sie kann die Taube des Geistes zu Hilfe rufen: 'Kommt ihr Täubchen, ihr Turteltäubchen und all ihr Vöglein des Himmels, kommt und helft mir lesen; die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.' Durch die Gnade des Geistes kann sie mehr als nur geduldig sich üben, sie kann erkennen und unterscheiden, welcher Same fruchtbar und welcher unfruchtbar ist. Ja sie kann bitten, daß die Geistesgabe das, was unfruchtbar ist und was keine Keimkraft hat, auf sich nimmt.
Von jetzt ab erscheinen diese beiden Tauben auf dem Haselbäumchen, und sie schenken der Jungfrau das hochzeitliche Kleid, sie verwandeln ihre Lebenshüllen so, daß sie dem Königssohn begegnen kann. Sie sind es auch, die dem Königssohn die wahre Braut verkünden und die schließlich die Widersachermächte, die die Seele so lange bedrängt haben, durch ihre Wirkung erblinden lassen.
Muß sie nicht trauern, diese Taube des Geistes, wenn Schneewittchen den vergifteten Apfel vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen naiv gegessen hatund nun in todesähnlicher Erstarrung des Erweckers harren muß? Während uns im Schneewittchen Menschheitsschicksal gezeigt wird, schildert uns das Aschenputtel-Märchen, was wir selber dazu tun können, wie die Taube des Geistes gerufen wird aus der Läuterungskraft der Seele." Aus: Friedel Lenz, Das Tier im Märchen, Die Taube!
Gruß Paraneua!
Höchste Zeit !

 


   

Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!